Im DIALOG: Manfred Hornung Gaggenau

Mittelstand im Dialog

 mit:

 Manfred Hornung, 

Gründer und Inhaber der HO ?TEC Oberflächentechnik GmbH & Co KG       Im Holderwäldele 8     D 76571 Gaggenau   

1985 gegründet mit  dem Bereich spezielle Oberflächen-Beschichtung  steht das Unternehmen inzwischen stabil auf 3 Säulen;   Der Ursprung des Unternehmens, die Beschichtungstechnik wurde stetig weiterentwickelt daneben mit der Entwicklung von Aquaplus  (Anlagen zur Getränke-herstellung) eine zweite Säule aufgebaut, die inzwischen schon bald den halben Umsatz trägt und schon die dritte Säule hervorbringt.

 Alois Fleig:   

Herr Hornung, wenn man Sie,  Ihr Unternehmen nach fast 10  Jahren wieder trifft, so fällt auf, dass Sie nicht nur nach Außen sondern auch ?nach innen expandiert? und eine interessante Entwicklung gemacht haben! 

Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung ( ?Krisenüberwindung?)  in Ihrer Branche, Ihrem Unternehmen?.

Manfred Hornung:

Diese ist sehr uneinheitlich, da sehr unterschiedliche Endkundenbereiche angesprochen werden! Bei unserem eigenen Unternehmen positiv, da die Nachfrage bei unseren Partnern deutlich anzieht. Das Ganze ist aber noch etwas auf unsicheren Beinen! Der Grund dafür  sind meines Erachtens Zweifel über Haltbarkeit des Aufschwungs, zu viele politische Störmanöver . 

Alois Fleig

Stichwort Globalisierung: Sie waren einer der Pioniere vor 10 Jahren mit Ihren Aktivitäten in Osteuropa, mit eigener Fertigung in Ungarn. Wie schätzen Sie heute die Situation für mittelständische Produzenten in Osteuropa, was raten sie Kollegen?

Manfred Hornung:

Die Situation hat sich grundlegend gewandelt; man muss die Tätigkeits-schwerpunkte überdenken und neu festlegen. Entwicklung weg von der ?verlängerten Werkbank? (Stichwort: EU-Gesetze) hin zu Aufbaumärkten mit guten Absatzchancen für z.B. Bau, Umwelt und Arbeitsschutz, Infrastruktur, IT, Anlagenbau etc. Fertigen in Deutschland ?noch besser Teilfertigung/Endmontage oder Vollfertigung in MOE und Belieferung der dortigen MOE Märkte.Der Konsumgütermarkt ist noch sehr schwierig aufgrund fehlender Kaufkraft.

Alois Fleig:

Stichwort Strategie: Ihr Unternehmen steht auf zwei sehr unterschiedlichen Beinen; ?wie gut sind Sie damit gefahren, neben der Oberflächentechnik ein ?zweites Bein? in einem ganz anderen Bereich (Getränketechnik) aufzubauen ? Empfehlen Sie Unternehmer-Kollegen in ähnlicher Struktur ?Mit Vollgas in automotive - Geschäft ? oder??

Der Satz wäre früher ?mit Vollgas ins Glück!? beendet worden, heute eher mit Vollgas ?ins Abseits!? Wir haben bereits 93/94 während der ersten automotiven Strukturkrise - Stichworte: ?Lopez - Erpressungen?, ?Strategiewechsel zu Systemlieferanten?- !angefangen uns aus der automotiven Abhängigkeit zu lösen.Damals 85 % hatten wir Automobilanteil ? heute 15 % inkl. aller Zulieferer. Etwas zu empfehlen ist schwierig, da jede Unternehmenssituation sehr individuell und speziell zu bewerten ist. Generell gilt für mich aber, kein Unternehmen kann wachsen und auf Dauer überleben ohne Diversifikation. Wenn nicht in neue eigene Produkte, dann in andere Branchen mit eigenem Zyklus oder andere Zielgruppen oder Dienstleistungen. Kreativität ist gefragt. Meine Formel lautet:                       Vision + Kreativität = Innovation     Innovation + Strategie (+standing) = Erfolg

 Alois Fleig:       

Lieber Herr Hornung; Danke für diese klare Meinung und Glückwunsch! Zum 25 Jährigen Bestehen  die eigene Tochter in der Geschäftsleitung und den eigenen Sohn ebenfalls im Unternehmen zu haben ist schon ein Erfolg, um den Sie viele Mittelstandskollegen beneiden. Bei einem  Unternehmer der sich selbständig gemacht hat ?..um nicht pensioniert werden zu können? (O-Ton Hornung 1985 ) verbietet sich die Frage nach dem ?Wie  lange ..über die  60 hinaus!?  Eine Frage aber sei zum Abschluss noch gestattet: ?Was gibt es innerhalb oder außerhalb Ihres Unternehmens ,das der Unternehmer Hornung noch bewegen möchte.?

 Manfred Hornung.:

Neben lokalen und regionalen sozialen Engagements ist es mir ein Anliegen, das Prädikat ?Made in Germany? , das immer noch einen guten Klang in der internationalen Wirtschaft hat, hochzuhalten und mit dem ?Label? ?Made in Baden? noch zu verstärken!

 Alois Fleig.

Lieber Herr Hornung, Danke für unseren  heutigen DIALOG;   Ich würde mir sehr wünschen Ihre Unternehmerische Erfahrung auch in Zukunft ?anzapfen? zu dürfen und in eine Unternehmerrunde einzubauen. Viel Erfolg für das Unternehmen Hotec und die Unternehmerfamilie Hornung!

 

Alois Fleig ? für - mifobaden-

Umfrage: Banken drehen Mittelstand Kredithahn zu

 

Berlin. Jeder zweite mittelständische Unternehmer hat mit seinem Kreditinstitut in den letzten zwölf Monaten negative Erfahrungen gemacht. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, heute vorgestellt hat. ?Mit ihrer restriktiven Kreditpolitik verschärfen die Banken den akuten Liquiditätsmangel der Betriebe noch.? Umso wichtiger sei eine steuerliche Entlastung der Betriebe. Hier stehe die Politik nach wie vor in der Pflicht.

 

Konkret beklagen die rund 1.300 befragten Unternehmer, dass die Banken mehr Sicherheiten für Kredite verlangen (47,3 Prozent), weniger Neukredite anbieten (42 Prozent), die Informationspflichten verschärft (41,5 Prozent) und die Zinsmarge erhöht haben (41,4 Prozent). Das sei ein niederschmetterndes Ergebnis, so Ohoven:?Die Banken wurden vor zwei Jahren gerettet, um die Wirtschaft weiter finanzieren zu können. Im Ergebnis hat die Hälfte der Unternehmen heute massive Finanzierungsprobleme.?

 

Soweit die Meldung!

Was ist Ihre Meinung, Ihre Erfahrungen ?  Lassen Sie diese uns  und Ihren Unternehmerkollegen  wissen!  Wann hat Ihre Kammer oder Wifö Sie als Mittelständler danach gefragt?

Alois Fleig, Ettlingen

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Gastkommentar Wolfgang Clement BM a.D.

Modernes Deutschland  Von Wolfgang Clement BM a.D.


Die Wahl in NRW wirkt deplaziert


Wer fragt, woran es liegt, dass immer mehr Bürger auf Distanz zur Politik gehen und zur Wahlenthaltung neigen, dem liefern die Tage vor der wichtigen nordrhein-westfälischen Landtagswahl die Befunde frei Haus. Sie sind relativ einfach zu entschlüsseln. Da ist zum Ersten die Tatsache, dass das griechische
Drama momentan natürlich alle sonstigen politischen Themen verdrängt.
Jeder spürt, dass hier ein Kräftemessen stattfindet, das für die weitere Zukunft von uns allen in  Europa von größter Bedeutung ist. Aber das Stück scheint weit entfernt von den Bürgern. Es gibt zwar ein Europäisches Parlament, aber keine einzige Institution, die die Staats- und Regierungschefs zwingen könnte, Farbe zu bekennen und gemeinsam zu handeln. Es erweist sich in aller Schärfe, dass es zwar eine Währungsunion, aber keine politische Union mit einwandfreien Verantwortlichkeiten gibt.
Vor heimischem Publikum spielt jeder Regierungschef sein Spiel, jeder und jede hat seinen und ihren Wahrnehmungsraum. Auch die nationalen Parlamente agieren nur am Rande. Das, was die Staatsund Regierungschefs schließlich und endlich miteinander vereinbaren, ist nationalstaatlich kaum wieder
aufzuschnüren. Da regiert die Macht des Faktischen, nicht der nationalen Parlamente. Entsprechend klingen die forschen öffentlichen Forderungen deutscher Akteure an die Adresse Dritter, namentlich der Banken, wohlfeil. Da ist zu viel deutscher Populismus im Spiel und zu wenig europäischer
Realismus. In dieser Szenerie wirkt der nordrhein-westfälische Wahlkampf geradezu deplaziert. Die Parteien erwecken durchweg den Eindruck, sie hätten noch etwas zu verteilen. Der Ministerpräsident geriert sich
als sozialer Denkzettel für die Berliner Politik und suggeriert, da sei noch etwas zu holen. Seine Kontrahentin vertritt Korrekturen der Arbeitsmarktreformen, welche die öffentlichen Ausgaben erheblich erhöhen, aber keinen zusätzlichen Arbeitsplatz schaffen würden. Die Grünen propagieren die Streichung
der Studiengebühren, die Gelben die viel zitierte Steuerreform. Dass aber die gesamten Steuereinnahmen des Bundes gerade noch hinreichen, um Sozialausgaben und Kreditkosten zu finanzieren, während
der Rest fast völlig ?auf Pump? besorgt werden muss, wird verdrängt.
Und in den Ländern sieht?s keinen Deut besser aus. Doch die ?organisierte Unverantwortlichkeit? unseres Föderalismus mit seinen finanzwirtschaftlichen Mischsystemen verstellt den Blick auf den unabweisbaren Zwang zur Konsolidierung aller Haushalte, des Bundes wie der Länder.
Man sieht: Das Gefüge der Europäischen Union wie des deutschen Föderalstaates ist nicht oder nicht mehr stimmig. Hoffen wir deshalb mit Aristoteles, dass die Tragödie zur Katharsis, zur Erneuerung führt. Es ist höchste Zeit ? für die Europäische Währungsunion wie für den deutschen Föderalismus!
Mai 2010

Anmerkung der Redaktion:

Diese Meinung eines Politikers, der NRW-Verhältnisse kennt und gleichzeitig aus einer gewissen Distanz beurteilt, wollte ich Ihnen nicht vorenthalten:

Viel wichtiger jedoch ist Ihre Meinung, Ihre Einschätzung als Unternehmer zu aktuellen Themen hier in der Region oder mit Bezug auf Unternehmen in der Region! "Was regt Sie auf",  oder gerne auch " Wo läuft etwas gut?". Wir und viele Unternehmrkollegen in der Region sind gespannt auf Ihre Meinung!

Alois Fleig, V.i.S. PG.

 

 

 

 

3. Pflimlin-Symposium in Baden-Baden , Wo ist die Leitfigur, Motor für die Metropolregion?

3. Pierre-Pflimlin-Symposium in Baden-Baden, NATO-Gastgeber Baden-Baden und Straßburg wollen zusammenrücken
Baden-Baden, 26.03.10,
Unter den über 200 Teilnehmern waren neben viel Prominz (mehrheitlich aus Baden-Baden) auch der ehemalige französische Minister Daniel Hoeffel und Antoinette Pflimlin, Tochter von Pierre Pflimlin.  Erwin Vetter, Staatsminister Baden-Württemberg a. D.: in seiner Begrüßungsrede sybillinisch «Man darf in der heutigen Zeit die alten Platten nicht immer auflegen, sondern man muss konkret werden.>> Welche Platten er wohl meint ??; zu Rolle des Landes Baden-Württemberg aus seinem eigentlich dazu berufenen Munde kaum etwas zu vernehmen.
Hin und hergerissen zwischen Strasbourg, Stuttgart und Karlsruhe sieht sich Baden-Badens Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner, zur Rolle von Baden-Baden  einging. Gerstner sprach die geopolitische Lage von Baden-Baden an, das sich schon immer eher Richtung Strasbourg orientiert, jedoch am Rande des Eurodistrikts PAMINA liegt.

Louis Becker, Präsident des Eurodistrikts PAMINA, Vizepräsident Conseil Général du Bas-Rhin und Bürgermeister von Herrlisheim warb mit seinem Vortrag «Wie können die Maires, die Oberbürgermeister und Bürgermeister von unserer europäischen Region profitieren? Wie ist der Nutzen für die Bürger sichtbar?» für den Eurodistrikt rund um Karlsruhe.
 
Fragen zur Rolle Karlsruhes waren berechtigt; das offizielle Karlsruhe unter den Gästen kaum auszumachen; "Karlsruhe steht irgendwie dazwischen" so Erwin Vetter; im Gespräch wurden viele deutlicher und meinten "eher abseits" ," mit dem einen Auge  auf die MRN im Norden schielend und mit dem anderen mehr auf sich und die eigene TRK schauend!"  Und sich irgendwann zwischen zwei Metropolregionen oder "zwischen den Stühlen"  wiederfindend!

Ganz anders,  Jürgen Oser vom Regierungspräsidium Freiburg,der engagiert und  praktisch Fortschritte anmahnte aber auch aufzeigte.
. Die offene Rede von Pierre Meyer über den schweren Stand des Elsass gegenüber dem zentralistischen Paris löste auch bei den Elsässern einige Emotionen aus, ebenso ein als Video-Einspieler gezeigtes Gespräch von Christian Frietsch mit Tom Ungerer, der die Tatenlosigkeit der elsässischen Politiker in Paris beklagte.

Als Beobachter und Gast aller drei Symposien, den engagierten und begeisternden Auftritt von Adrien Zeller in lebhafter Erinnerung und den ebenso "gewinnenden" Pierre  Pflimlin durch die Einspielungen aufgefrischt, suchte man  bei den zahlreichen Auftritten nach einer Leitfigur mit Charisma, die die Rolle des Motors in dieser wichtigen Phase des Prozesses übernehmen könnte. Vielleicht  Pierre Meyer, ehemals enger Vertrauter des verstorbenen Adrien Zeller, der als entscheidender Motor der Metropolregion Oberrhein gilt?

Das Pierre Pflimlin-Symposium ist eine gemeinsame Initiative von goodnews4Baden-Baden und dem Brenner's Park-Hotel & Spa in Baden-Baden und findet jährlich statt.

Alois, Fleig ; Ettlingen

Ausführliche (live)-Berichte vom 3. Pflimlin-Symposium  unter

www.goodnews4baden-baden.de


Gastkommentar von Alexander Niemetz:
100 TAGE SCHWARZ - GELB

Willkommen im realen Leben - das, was als Wunschkoalition aus der Taufe gehoben wurde, versank schon nach ein paar Wochen im mediokren Klein-Klein. Ein harmonischer,politischer Honey-Moon jedenfalls sieht anders aus, als das, was die schwarz-gelben Koalitionäre sich seit dem Abschluss des Koalitions- vertrages fast täglich liefern. Als hätten sie sich an ihrem grandiosen Wahlergebnis überfressen, taumelt diese Koalition mit stotterndem Motor am Boden herum, statt endlich elegant abzuheben und Höhe zu gewinnen.
Wer nach zweieinhalb Monaten schon in einem publicity-trächtigen Show-Essen
Gemeinsamkeit demonstrieren muss, wie die drei Parteivorsitzenden Merkel, Westerwelle und Seehofer, der darf sich nicht wundern. Da werden schnell Parallelen gezogen zum Chaos-Start von Rot-Grün, zum Dilettantismus der ersten Monate der Schröder-Fischer-Regierung. Nur Rot-Grün hatte damals wenigstens einen politischen Anspruch: Sie wollten die gesellschaftliche Veränderung. Doch davon ist die Regierung Merkel/Westerwelle weit
entfernt ? auch wenn der Chef-Liberale inzwischen eine geistig-politische Wende anmahnt.
Die Koalition verzettelt sich im Steuerspektakel, in der Causa Steinbach, in den Weiten der Afghanistanpolitik, im Streit über Gesundheitsprämie und Gutscheine für bedürftige Familien, in persönlichen Querelen, im untauglichen persönlichen Profilierungswettbewerb. Und der Kanzlerin fehlt, einstweilen jedenfalls, der Wille oder die Kraft, daran etwas zu ändern.
Die Krux für all dies liegt an zweierlei: Die beiden Parteien, die Christdemo-kraten und die Liberalen haben noch nicht realisiert oder akzeptiert, dass sie sich programmatisch seit 2005 auseinanderentwickelt haben. Die CDU ist bei grossen, politischen Entwürfen vorsichtig geworden. Das hat vor allem damit zu tun, dass bei der Kanzlerin die Lektion von 2005 tief sitzt. Der programmatisch ambitionierteste Wahlkampf in der Geschichte der Partei endete bei
35 Prozent und damit fast im Desaster. Der liberale Reformanspruch von Leipzig ist seit dem Geschichte, die Partei wurde auf einen Kurs einer konsens-orien-tierten sozialen Volkspartei getrimmt. Nun kehrt das lange Verdrängte in Gestalt der FDP auf die Bühne zurück; in Gestalt einer FDP, die wie ein Blutsauger den wirtschaftliberalen Mittelstand der Union übernommen hat und nur so stolze 15 Prozent einfahren konnte. Sie fordert jetzt lautstark ein, die Wende zurück zu früheren Reformvorhaben bei der Steuer, bei den Sozialen Sicherungssystemen
endlich zu vollziehen. So bleibt die Frage offen, ob es sich bei Schwarz-Gelb wirklich um die Traumpaarung oder vielmehr um einen historischen Irrtum handelt.
Zumal ein zweites hinzukommt: Zurecht beschwört die Kanzlerin immer wieder den Ernst der Lage, die tiefste Krise in der Geschichte der Bundesrepublik. Sie weiss, dass diese neue Regierung harte Strukturentscheidungen treffen muss. Aber aus der Sicht ist eben genauso eindeutig, dass Politik in dieser Krise noch für lange Zeit ?auf Sicht? gefahren werden muss. Das ist die Lehre aus erfolgreicher Defensivarbeit bei der Bewältigung der Krise noch aus der
Zeit der Grossen Koalition. Schwarz-Rot hat in der Krise immer dann gut funktioniert, wenn es darauf an kam, wenn der Zwang zu Kompromiss fast so etwas wie einen gemeinsamen Geist kreierte, der keine Machtworte und schon gar kein Basta vertrug.

Diese Perspektive ist natürlich nicht die der liberalen ?Regierungs-Novizen?. Sie wollen nach elf Jahren in der Opposition Politik gestalten: Jetzt und möglichst ungebremst. Hinweise auf mangelnde Spielräume für finanz- oder sozial-politische Strukturreformen werden im liberalen Überschwang ausgeblendet. Die Einsicht, dass krisenfeste Antworten nicht einfach nur Glaubensätze sein dürfen, ist bei manchem Liberalen im neuen Kabinett nicht angekommen.
Erschwerend kommt hinzu: Der Koalitionsvertrag der Schwarzen und Gelben löst das Dilemma nicht auf, sondern verlängert es in die Zukunft.
In Rekordtempo haben die Koalitionäre ihre Koalition ausgehandelt. Durch Geschwindigkeit ein Zeichen setzen, war wohl die Absicht; ein Zeichen setzen, dass man wirklich zusammen regieren wolle.                                                   Nur, wie das Regieren aussehen soll, das blieb merkwürdig offen und umkämpft. Es kann kaum gut gehen, wenn die zwei kleineren Partner im Bündnis stolz für sich reklamieren, sie hätte all ihre Forderungen im Vertrag durchgesetzt ? und der Dritte im Bunde, der Grösste übrigens, schweigt betroffen oder verweist grienend auf den über allem stehenden Finanzierungsvorbehalt. Eine solche Koalition ist (noch) keine Traumpartnerschaft, eine solche Koalition hat (noch) keinen Geist, hat (noch) kein Projekt. Noch steht in den Sternen, ob es zwischen diesen beiden Partnern jemals eine gemeinsame Basis geben kann.
Das erstaunt umso mehr, als die schwarz-gelben Koalitionen in Düsseldorf, in Stuttgart, in Hannover, ja sogar in München ziemlich geräuschlos und erfolgreich funktionieren.
Nach nun fast hundert Tagen lässt sich ein (vorläufiges) Fazit ziehen: Je unkoordinierter, je zerstrittener diese Koalition (selbst in Kleinigkeiten) wirkt, desto drängender wird der Ruf nach einer ordnenden Hand, desto drängender wird die Erwartung an die Kanzlerin nach Orientierung. In der Grossen Koalition war es klug, weil unumgänglich, an den Gebrauch der Richtlinienkompetenz nicht einmal zu denken - zumal die Grosse Koalition, auch wenn man sie nicht mochte, wenigstens etwas Berechenbares, fast Selbstragendes hatte. Dagegen wirkt das Bündnis von Schwarz und Gelb unkonzentrierter, unernster, unbe-rechenbarer. Noch vor jedem, noch so kleinen Erfolgserlebnis stand bei Schwarz-Gelb der Streit, der Modus des Zerredens, der ungute Wettbewerb, im Besitz der Alleinseeligen Wahrheit zu sein. Die Kanzlerin hat bisher noch kaum einen sichtbaren Versuch unternommen, diesen schleichenden Erosions-prozess zu stoppen. Das erhöht das Risiko für die Kanzlerin und schlimmer für ihre
Kanzlerschaft.

Alexander Niemetz

Mit freundlicher Genehmigung von: Persönliches Büro ALEXANDER NIEMETZManagement Michael Prüfer, Büro Alexander Niemetz
Kerstingstr. 18 · 30173 Hannover · Tel. 05 11-81 20 51 · Fax. 05 11-2 83 40 20
Internet: www.pruefer-consulting.com,www.alexanderniemetz.de, email: Michael.Pruefer@t-online.de

Mittelstand im Dialog

An dieser Stelle wollen wir im  DIALOG mit Institutionen, Unternehmen und Persönlichkeiten Fragen und Themen ansprechen, die Sie tangieren, interessieren und zu denen Sie bestimmt etwas zusagen haben!

 
DIALOG 1/2010   Mittelstand trifft: KIT -Spitzenforschung:

Alois Fleig "mifobaden" und BVMW-GF für die TechnologieRegion  

Im Dialog mit:

Prof.Dr.rer.nat.Frank Gauterin am KIT -Institut KFZ-Technik u. CART am KIT

Fleig: Herr Professor vorab ein Geständnis; Muss Ihnen gestehen, dass ich zum KIT ein sehr gespaltenes Verhältnis habe. Als Mensch der Region und  Alumni, der vor exakt 40 Jahren an dieser Fakultät diplomiert hat, bin ich außerhalb dr Region (Stuttgart, Berlin,...) ein begeisterter Botschafter für diese einmalige Sache; betrachte ich allerdings hier vor Ort, was von diesem immensen Potential in der mittelständischen Wirtschaft ankommt, dann weicht die Begeisterung sehr schnell.

Gauterin: Da  sind Sie hier und heute genau richtig; diese Problematik ist erkannt und wird und wurde von den Architekten des KIT in der Struktur berücksichtigt:Es gibt auch 2 große (EU) Förderprojekte bei denen explizit dafür auch mittel bereitgestellt werden können

Fleig: Das freut mich natürlich, wenngleich ich etwas Bedenken haben, wenn ich sehe, dass z.B. im Sog. Business-Club die Eintrittskarte bei 15  000  liegt, ist man dann vielleicht doch lieber unter sich (Mit Daimler, Bosch, und Co)

Gauterin: Gerade das ist nicht Ziel der Sache, umso wichtiger unser Gespräch heute und in Zukunft. Wichtig sind immer Personen; deshalb ist es vor allem notwendig, dass an der Schnittstelle eine engagierte unternehmerisch denkende Persönlichkeit die Fäden in die Hand nimmt!

Fleig: Ich kann ja auch die Professoren gut verstehen, die ja  auch unternehmerisch denken sollen- wenn Sie eben feststellen , dass es sehr zeitaufwendig ist ein "Auftrags-Volumen" von einer halben Million zusammen zu bringen, wenn man dafür nicht mit einem sondern mit zwei Dutzen Unternehmen verhandeln muss, geschweige den dann 10  Mittelständler unter einen Hut zu bringen

Gauterin: Das stimmt, dazu kommt aber noch das Problem des Zeithorizontes; Sind Projekte mit einem 1-jährigen Zeitrahmen (im Rahmen einer Diplomarbeit ) für KMU noch akzeptabel, sind Laufzeiten von 3-5 Jahren ( Promotion) kaum machbar.Eines muss man sicher sehen, mit "Good will" allein ist es nicht getan, es müssen die Strukturen geschaffen werden, dh. Scharnierstellen auf beiden Seiten da sein die

Fleig: Glauben Sie nicht auch, dass als Weg dorthin beide Seiten erst einmal von einander mehr wissen müssen, wie die andere Seite "tickt" und auch einen Einblick in erfolgreiche Projekte bzw. Aufgabenstellungen "live erleben". Können Sie sich nicht auch vorstellen, dass man mit einem "Werkstattbesuch in der Forschung" , wie mit der HS-KA erfolgreich durchgeführt und mit dem FZI gerade in Planung ein wichtiger erster Schritt sein könnte.

Gauterin: Das treffen sich unsere Ziele auf einen Punkt; lassen Sie uns dies anpacken!

Fleig: Das ist ein guter Schlusspunkt; Herzlichen Dank ,Herr Professor Gauterin für dieses wirklich zielgeführte Gespräch.Ich freue mich auf

Mehr zu KIT und Prof. Gauterin : www.kit.edu/CART

...und wer sollte der nächste DIALOG-Partner sein...? Welches Thema?..warum nicht Sie??